Dienstag, 21. September 2010

Tag 35 – Himmelssee – Urumqi


Großstadt Urumqi










Hier werden Granatäpfel zu Saft verarbeitet
 Nach einer fast schlaflosen Nacht, weil es in den Jurten bitterkalt war, sind wir nach Urumqi aufgebrochen. Die Fahrt hierher war ohne Probleme machbar, da Autobahn und nur 100 km entfernt.
Angekommen in der riesigen Stadt mussten wir uns erst einmal durch den Verkehr wühlen. Die Autofahrer hier fahren extrem draufgängerisch. Aus 3 Spuren werden 4 oder wenn es die Breite der Straße zulässt auch mehr. Das ist ziemlich anstrengend. Der Porsche macht ein paar undefinierbare Geräusche  am Kupplungspedal. Soll aber wohl nichts dramatisches sein. Wir fahren erst einmal so weiter. In Xian soll es eine Porsche Werkstatt geben. Wir versuche
Sicht vom See auf die Berge
n, bis dahin durchzuhalten. Das ist aber erst in 10 Tagen.
Heute am frühen Nachmittag sind wir im hiesigen Einkaufszentrum gewesen. War aber nicht so toll. Ist eine Shopping Mall, wie man sie überall auf der Welt findet. Die Preise sind für die Chinesen recht teuer, aber für uns ganz normal.
Anschließend haben wir uns alle in der Hotellobby getroffen, um zu einem offiziellen Empfang zu fahren. Der Verkehrsminister wollte uns persönlich begrüßen. Der Empfang war wie in den vorherigen Städten auch sehr 
Die Jurten
herzlich, aber kurz. Die Fahrt dorthin hat über eine Stunde gedauert. Nicht, weil der Weg so weit ist, sondern weil wir uns wieder durch den Verkehr quälen mussten. Das Fenster lässt man am besten verschlossen, akute Vergiftungsgefahr. Aber es sollte noch schlimmer kommen…
Auf dem Rückweg sind wir im abendlichen Berufsverkehr gelandet. Ein Gesch
Der Himmelssee
iebe und ein Gedränge. Es war fast unmöglich, unseren Konvoi zusammenzuhalten. Da die Chinesen alle ohne Rücksicht auf Verlust
Unser Empfang in Urumqi
e fahren, ist ihnen anscheinend auch ihr Auto egal. Das ist bei uns natürlich ganz und gar nicht der Fall. Wir wollen alle heil in Shanghai ankommen und unsere Fahrzeuge wohlbehalten nach Hause zurückholen.
Die Nerven lagen bei einigen blank!
Diese Anspannung entlud sich dann auf dem Parkplatz bei Ankunft im Hotel. Diesmal hat die Strecke 1,5 Stunden gedauert.

Wir gehen jetzt nicht mit zum gemeinsamen Abendessen. Wir hatten mal Lust auf Fastfood. Wir haben noch fast 3 Wochen die Möglichkeit, chinesisch zu essen! Wir kulinarischen Banausen haben uns einen Burger und Pommes gegönnt.

Was wir bis jetzt von der Stadt gesehen haben, lässt darauf schließen, dass diese Stadt alles hat, was eine Großstadt so mit sich bringt. Große, prachtvolle Bankgebäude, schöne Regierungsgebäude, aber auch alte, fast ruinöse Wohnsilos. Urumqi hat auch eine Altstadt mit einem schönen Basar. Morgen soll es eine Stadtrundfahrt geben, die noch einmal zur Altstadt führt. Diese werden wir nicht begleiten, da wir keine Lust haben, uns wieder durch diesen Verkehr zu wühlen. Wir sind lang genug auf den Straßen. Es gibt sicherlich eine Möglichkeit unser nahes Umfeld zu Fuß zu erkunden.

Tag 34 – Zeltlager in Jurten am Heavenly Lake




Heute Morgen sind wir zum Zeltlager aufgebrochen. Wir wollen am Himmelssee in Jurten übernachten. Nach ca. 4 Stunden sind wir hier angekommen. Es ist lange nicht so romantisch, wie ich es mir vorgestellt habe. Der untere Teil des Sees ist eine richtige Touristenattraktion. Eine Menge Menschen laufen hier rum. Vorwiegend aber wohl Chinesen oder Menschen aus angrenzenden Ländern, denn auch hier sind wir die Exoten.

Der Heavenly Lake

  



Kasachische Nomaden

Auf d em Weg haben wir kasachische Nomaden „besucht“. Diese leben hier im Frühjahr und im Sommer in ihren Jurten mit ihren Kindern und ihrem Vieh. Die Kühe haben ein dickes, warmes, lockiges Fell. Ungewöhnlich für unsere Augen. Das sind Steiff-Tiere, die leben! Die Kinder sind am Anfang sehr zurückhaltend. Nach kurzer Zeit tauen sie aber auf. Diese Lebensform ist für uns unvorstellbar. Wir dur







So wird in den Jurten gekocht
ften aber die Jurten auch von innen sehen. Es wurde uns sofort Tee mit S 
Ein lebendes Steiftier
tutenmilch und Brot angeboten. Wir halten uns aber sehr zurück was das Essen unter diesen Bedingungen angeht. Unsere Mägen sind das nicht gewohnt. Einige von uns haben auch schon seit Tagen Montezuma’s Rache. Das ist hier nicht angenehm, da, wie schon oft erwähnt, die hygienischen Zustä
Tee mit Stutenmilch :-(
nde den Besuch des Wc’s nicht immer zulassen. Hier auf dem Zeltplatz ist gar keine Möglichkeit. Es gibt nur Toiletten ca. 1 km unter unserem Platz. Das hört sich wenig an, aber wenn der Darm schreit…..
Die Jurten sind recht groß und auch beheizbar. Trotzdem laden sie mich nicht zum Verweilen ein. Diese Unterkünfte werden für ca. 8 € pro Nase vermietet und es passen bis zu 10 Personen hinein. Dann wird es aber verdammt eng. Wir werden uns heute mit Günther und Renate eine Jurte teilen.
Zum Nachmittag gab es frisch geschlachtetes Lamm. Alle hatten ihre Freude daran. Ich konnte kaum zusehen, da ich kein Lamm esse, wie das Lamm vor unseren Augen ausgenommen und zerkleinert wurde. Anschließend wurden Spieße daraus gemacht und gegrillt. Für mich gab es leider nur Brot und Tee. Aber am Abend soll es Kartoffeln und Gemüse geben. Ich hab schon 2 kg abgenommen 
Die Jurten von innen
 L.
Der See ist wunderschön und wir haben Sicht auf ein schönes Bergmassiv. Leider ist es nur sehr kalt. Ich habe einen Pullover, eine Strickjacke und eine Regenjacke übereinander gezogen und wir wärmen uns alle mit Tee.
 
So wird hier Brot gebacken (sehr lecker!!!)

Leider ist auf der gestrigen Tour, die wir ja zwischendurch abgebrochen haben, doch mit Kallis Auto etwas passiert. Anscheinend ist wieder etwas mit der Hydraulik. Genaue Diagnose kann ich nicht stellen, da Kalli und Jürgen im Ort geblieben sind, um das Auto reparieren zu lassen. Das ist schon ärgerlich!

Marvin und Lukas werden heute Abend ein wenig Gitarre sp 
Suchbild :-)
ielen und vielleicht gibt es ein Lagerfeuer. Alkohol scheint in Hülle und Fülle da zu sein. Dann wird uns wenigstens warm.

Morgen sind wir dann in Urumqi. Einer großen Stadt! Dort erwartet uns das Hotel World Plaza.

Tag 32 Route Yining – Sailim See – Routenänderung Kuitun


 Wir haben wieder die Route etwas geändert. Das Wetter ist einfach zu schlecht, um zu zelten. Wir werden den Sailim See zwar passieren, aber nicht dort bleiben. Der nächste Stopp ist Kuitun. 
So sehen hier die meisten Straßen aus
Bevor wir aber weiter fahren konnten, mussten wir noch an einem vorab besprochen Platz unsere Autos „durch den Zoll“ bringen. Eine junge Frau, die überhaupt keine Ahnung von unseren Fahrzeugen hatte, musste den Wert der Autos festlegen, um sicherzustellen, dass die Fahrzeuge die eingeführt werden auch wieder „nach Hause“ zurückgebracht werden. Ansonsten würde eine enorm hohe Steuer anfallen. Wie das organisatorisch gelingen soll, das hinterfragen wir nicht. Jeder hat hier so seine Aufgabe. Ob es immer Sinn macht, liegt sicherlich im Auge des Betrachters.
 
Ab auf den Tieflader
Die Fahrt über den Pass zum See, der der größte (458 km²) und am höchsten gelegene Bergsee (2.070 m) in Xinjiang ist, war sehr abenteuerlich. Unser Auto haben wir auf einen Tieflader aufgeladen, weil die Strecke für den Porsche absolut nicht passierbar ist. Auf der Strecke von ca. 50 km befindet sich eine riesige Baustelle mit Brückenbau und neu zu bauender Straße. Die Löcher auf dem Weg und die Steine die dort liegen, waren selbst für den Tieflader eine Herausforderung. Wir wollten kein Risiko eingehen und es stellte sich heraus, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist. Wir hätten die ganze Mannschaft aufgehalten. Die anderen hatten auch ihre Probleme, sind aber mit leichten Blessuren davon gekommen. Alle haben heil den See erreicht. Lustig war auch, dass wir einmal kurz am Berg anhalten mussten, da uns ein LKW entgegen kam und unser Fahrer wieder im 1. Gang anfahren musste. Beim Schalten hörten wir auf einmal ein komisches Geräusch und der Fahrer hatte den Schalthebel in der Hand!!! Dieser war abgebrochen… Und nun? Mit kaum geeignetem Werkzeug hat er dann versucht, die Schaltung manuell vorzunehmen. Der Arme hat sich die Hand blutig geschaltet. Aber dann konnten wir im 2. Gang den Berg weiter hinauf krabbeln. Der Fahrer bat uns dann, die Augen zu schließen – wir haben uns gewundert und gefragt was nun passiert. Als wir verstanden hatten was er wollte, fuhren wir durch eine Kurve und vor uns öffnete sich die Sicht auf den See! Fantastisch!!! Es war wunderschön dort oben. Fürs Zelten eigentlich ideal, aber leider, leider viel zu kalt!
 
Blick aus dem Hotelzimmer

Eigene Nudelherstellung
Wir sind dann ins Hotel gefahren und dort war alles auch soweit ok! Das Essen war lange nicht so gut wie am Vorabend in der „Baumschule“, aber genießbar. Leider kann ich von dieser Abenteuer-Tour keine Fotos senden, werde diese aber auf jeden Fall, sobald wie möglich nachreichen.

Tag 33 – Kuitun – Shihezi


Heute Morgen sind wir zeitig los. Alle brauchten noch etwas Bargeld. Auch das wird hier zum Abenteuer. Bei dem einen funktioniert die Karte nicht, bei dem anderen ist ein Formular auszufüllen und keiner weiß so genau, wo er hingehört. Wir brauchen hier für alles Guosheng, der übersetzt. Kein Schild ist zu lesen, kein Formular ohne Hilfe auszufüllen. Das ist ein fremdes Gefühl. Mit irgendeiner Sprache kommt man immer weiter. Hier nicht! Hier wird NUR chinesisch gesprochen und sonst nix.

Lutz beim Interview

Nach einer Stunde in der Bank stand plötzlich ein Fernsehteam auf dem Parkplatz. Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell es sich herum spricht, wenn „wir da sind“. Kaum ein Mensch auf der Straße und dann auf einmal viele, viele Menschen um uns herum. Alle neugierig und freundlich. Aber auch irgendwie irritiert. Langnasen kennt man hier nicht. Man hat zwar schon mal von uns gehört, aber noch nicht viele gesehen. Manche Kinder haben Angst und kommen nicht näher. Da nützt auch ein Stück Schokolade nichts.
Das Fernsehteam hat uns dann ein paar Kilometer begleitet und vorher noch von Lutz ein Interview aufgenommen.
  

wunderschöne Landschaft
 Da wir ein wenig Zeit hatten, hat Guosheng vorgeschlagen durch die Berge zu fahren, um die wunderschöne Landschaft zu bestaunen. Leider hat er die Rechnung ohne den Porsche gemacht. Wir haben nach 5 km gestreikt und gesagt, dass wir die ausgewählte Militärstrecke nicht weiterfahren. Da haben wir gestern das Risiko auf ein Minimum reduziert, da werden wir heute mit so einer Straße konfrontiert, die wieder eine Herausforderung für Fahrer und Auto ist.  
Der gute Gedanke von Guosheng war, möglichst nah an die Berge zu kommen, um das Bergmassiv von ca. 5.000 m Höhe zu genießen. Die Landschaft ist absolut sehenswert. Das konnten wir schon auf den ersten 5 km wahrnehmen. Aber leider war es für uns nicht realisierbar, diesen Weg zu fahren, das Risiko wäre zu groß gewesen.  

Die Chinesen zocken gern


Die Schuhmacherin
 Kalli mit Team und wir sind dann gemeinsam mit Peter und einem Guide zurückgefahren, um den bequemeren Weg zu fahren. Die anderen wollten versuchen, die Piste zu fahren. Anscheinend ist bis jetzt auch alles gut gegangen. Sie sind zwar noch unterwegs, aber Peter hat mit Rais telefoniert und sie scheinen inzwischen auf der guten Landstraße angekommen zu sein.
(Neuer Stand um 24.00 h – 2 geplatzte Reifen und viele Steine, die weg geschafft werden mussten. Wir hätten es nie geschafft, war die Aussage der anderen!) 
Das Hotel in dem ich gerade sitze ist gut. Ich habe sogar mal einen richtig leckeren Kaffee bekommen. Das lässt die Laune doch steigen.

Wir erleben ein pures, ungeschminktes China auf der bisherigen Route.

Markt - Hier gibt es alles was man nicht braucht
Kein Tourismus, keine schön gemachten Straßen und Wege, sondern alles so, wie es eben ist. Auch hier würden die leider fehlenden Bilder Geschichten erzählen! Dieses China ist voller Gegensätze. Eine wunderschöne Landschaft, die einem den Atem raubt, aber eben auch schmutzige Straßen, ärmliche Dörfer und schmutzige Menschen. 
Die Metzgerei vor Ort
Auch hier ist die Hygiene für einen Europäer nicht akzeptabel. Die Lebensmittel liegen auf staubigen Straßen, das Fleisch liegt ebenso auf der Straße und die Fliegen haben ihren Spaß daran. Es fällt mir schwer, hier gerne zu essen. Ich versuche es auf Gemüse und Obst (welches von Natur aus verpackt ist) zu reduzieren. In den Hotels ist es sicherlich etwas anderes, da hier der Durchfluss ein anderer ist.
Trotzdem muss ich sagen, egal wo wir eingekehrt sind, die Menschen sind sehr nett und gastfreundlich. 
Es wird für uns gekocht
 Sobald wir wie die Heuschrecken in die „Gaststätten“ einfliegen, kochen sie für uns und sind emsig damit beschäftigt, uns zu behuddeln. Auch der Tee gehört hier zum Leben! Dieser gehört zu jeder Mahlzeit dazu (er reinigt den Magen und fördert die Verdauung) und wird immer in Hülle und Fülle gereicht.

Die Fischverkäuferin unseres Vertrauens
All das sind Eindrücke, die man zwar erzählen kann, aber niemals kann man mit diesen Worten das wiedergeben, was man hier riecht, schmeckt, sieht und fühlt!

Egal was bisher an negativen und positiven Dingen passiert ist – wir freuen uns hier zu sein und unsere Lebenserfahrungen zu vergrößern. Das war mit ein Ziel, diese Reise zu machen. Und wenn die Emotionen mal mit einem durchgehen: WIR WISSEN, DASS ALL DAS DAZU GEHÖRT! TROTZDEM MUSS MAN AUCH DAS NEGATIVE MITTEILEN DÜRFEN. Es ist eben auch eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Alles andere wäre unwahr und verfälscht!

Ein Danke an die, die sich die Mühe machen, uns auf diesem Wege zu begleiten!!!